...erkannte diese lichtvolle Präsenz als mein zu Hause. Schmerz und Leid waren in diesem Augenblick vergessen. Als ich zurück in den Körper katapultiert wurde, nahm ich dieses heimatliche Licht, in Form einer Inneren Stimme, mit. Später erfuhr ich, dass nur wenige Menschen diesen inneren Ratgeber kennen.   

 

Ich hatte eine Kindheit, die voller Geborgenheit und Liebe war, aber auch mit Selbstzweifeln und Unverständnis einherging.

Ich fühlte mich während meines Heranwachsens seltsam fremd - wie von einem anderen Stern. So spürte ich stets unterschwellig, dass alles ganz anders ist, als es erscheint. Ich empfand mich zwar als Teil meiner Familie und meines Umfeldes, war aber dennoch irgendwie separat. Einerseits war ich eine Spielfigur und andererseits der Beobachter dieses Spiels. Im Laufe der Zeit schmolzen diese beiden Aspekte meiner Selbstwahrnehmung immer mehr zusammen.

 

Die äußere Welt begann mich für sich zu gewinnen. Ich ergriff einen Beruf, der mich ausfüllte, verliebte mich und heiratete recht früh aus Liebe und Überzeugung. Unsere drei Kinder, die bald folgten, machten mich glücklich und meine Welt vollkommen. Dennoch begleitete mich ständig ein sehnsüchtiger Drang nach Antworten.

 

Eine schwere Lebenskrise im Alter von etwa 40 Jahren veranlasste mich schließlich, alles loszulassen, womit ich mich bisher identifiziert hatte. Ich begab mich auf eine Forschungsreise nach dem Sinn des Lebens. Im Selbststudium öffnete ich mich den Lehren von Psychologie, Philosophie, Religion, Metaphysik und Spiritualität. Ich lernte voller Eifer und Begeisterung, wuchs und reflektierte mich in der Welt. Doch zumeist zog es mich in die Stille und in die Einsamkeit. Dem Lärm und der Eile der Welt ging ich aus dem Weg. Die schönsten Stunden verbrachte ich am Meer mit mir SELBST. Der meditative, weite Blick über die Nordsee mit ihren stetig heran rollenden Wellen - mal ruhig, mal kraftvoll - erschien mir wie das unendliche Leben selbst- jede Welle ein menschliches Leben, das ich SELBST erlebt hatte. Hier entstanden die meisten meiner Gedichte.

 

Oft wanderte ich nachts für Stunden auf einsamen Feldwegen - bis in den Morgennebel hinein. War es eine Mutprobe? Denn eigentlich hatte ich seit jeher große Furcht vor der Dunkelheit. Jetzt aber zog es mich mit laut pochendem Herzen hinaus in die Nacht, zu all den unheimlichen Geräuschen, dem Knistern und Knacken, dem Kratzen, Huschen und Fiepen, all jenen Lauten und Klängen, die wohl eher meiner eigenen Beklommenheit entstiegen, als der Fauna und Flora. Hier lernte ich endlich, dass es nichts zu fürchten gibt und Schatten nur die Abwesenheit von Licht sind. 

 

Durch meine stetige Bereitschaft, Altes loszulassen und Neues willkommen zu heißen habe ich mich seitdem wie eine Schlange unzählige Male gehäutet. Nun ist mein Herz still und mein Geist ist ruhig. Und alle Dinge haben ihren Platz gefunden.

Gitte Malou Weiß

Spirituelle Lehrerin - Autorin

HÖVELHOF / OSTWESTFALEN

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